Blumenbrücke

Was mir an Fronleichnam sehr gefällt, sind die Blumenteppiche. Auch die Prozession mit der Monstranz unter dem Himmel aus goldgewirktem Stoff.
Die Idee des Fests bleibt mir dagegen eher fremd. Worum geht es?

Jesus sagt beim letzten Abendmahl, als er das Brot teilt, „dies ist mein Leib“ und damit beginnt, was wir heute noch in jeder Eucharistiefeier begehen, die Wandlung des Brotes/der Hostie in den Leib Christi. Der Gedenktag für diese erste Eucharistiefeier ist eigentlich der Gründonnerstag, aber er steht etwas im Schatten von Karfreitag. Deshalb gab es vor über 700 Jahren die Idee, ein eigenes Fest dafür zu installieren.
Was Jesus mit seinen Worten beim letzten Abendmahl wirklich bezweckte, dazu gibt es bis heute keine einheitliche Meinung in den Konfessionen. Ist Jesus Christus in der gewandelten Hostie ganz real präsent (katholisch) oder zeigt sie ihn symbolisch (evangelisch)?
 
Im Text eines einfachen Liedes heißt es: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“. Die Feier der Eucharistie stiftet Gemeinschaft, das ist für mich der gemeinsame Nenner. Und das kommt im Fronleichnamsfest mit seinen Bräuchen eigentlich prima zum Ausdruck. Da stehen fleißige Menschen sehr früh auf und gestalten Blumenteppiche; bei Gottesdienst und Prozession sind verschiedene Gruppen beteiligt, zum Beispiel gehen Abordnungen der Vereine mit, der Kirchenchor singt und der Musikverein spielt, nicht zu vergessen die treuen Kirchenbesucherinnen und -besucher. Und in manchen Gemeinden folgt im Anschuss noch ein gemeinsamer Umtrunk oder sogar ein Mittagessen.
 
Meine Brücke zu diesem Fest aus alter Zeit sind die Bräuche, die es begleiten. Ich glaube, sie machen das lebendig, worum es im Kern schon immer gegangen ist: wenn wir in guter Gemeinschaft leben, kann Gott mitten unter uns sein.
                                                          
Ingrid Maile, Pastoralreferentin